Dem Wetterpapst vertrauend, der ein sommerliches Wochenende versprach, trafen wir uns am Samstag gegen 10 Uhr in unserer Pension nahe
Seekirchen (Österreich) um eine Tour zu starten. Eigentlich war nichts besonderes geplant, deshalb gab es kein Briefing. Da einige von uns den Tegernsee bis dato noch nie in Ihrem Leben gesehen hatten, hat es bei mir gefunkt. Nichts wie los zu den Spuren bayerischer Geschichte und eines der schönsten Gegenden unseres Heimatbundeslandes.
Über Bad Reichenhall fuhren wir entlang des Thumsees in Richtung Inzell. Auf der Deutschen Alpenstraße (B305) ging es an saftigen Weiden und durch prächtige Wälder nach Reit im Winkl. In diesem kleinen Luftkurort (Kriegergedächtniskapelle) - im südbayrischem Lederhosenstil gebaut - konnte man nur mehr im Schrittempo vorankommen, da sich Scharen von Touristen, Autos und Bussen durch den Ort wälzten.
Kurz danach erreichten wir wieder Österreich und über die B 172 bikten wir nach
Kössen in Tirol. Entlang der Route gab es eine Fülle von landschaftlichen Höhepunkten. Tiefgrünes Weideland, dunkle Nadelwälder glasklare Bäche säumten unseren Weg. Anschließend fuhren wir entlang des Walchsees bis zur Innbrücke nach Oberaudorf in Bayern. Nicht zu übersehen war da eine große Tafel die auf die beiden wunderbaren Motorradstrecken - auf die Tatzelwurmstraße und auf das Sudelfeld - hinwiesen.
Stetig links-rechtsschwingend ging es dann auf der Tatzelwurmstraße nach oben. Vonwegen Reifen planmäßig abfahren, das lag nicht drinnen! Teilweise die Fußraster nur mehr Millimeter vom Boden entfernt schraubten wir uns nach oben. Ab Schweinsteig begann dann das Sudelfeld. Diese prächtig ausgebaute Bergstraße ließ unser Bikerherz erst so richtig aufflammen. Mit einem lockeren Dreh am rechten Lenkerende glitten wir zügig durch die scheinbar nicht endenden Kurven.
War der vorherige Anstieg schon ein Erlebnis, so überraschte uns die Kurvenorgie über das Sudelfeld umso mehr. Dazu kam noch der Duft von frischem Heu und die klare Bergluft, die am Helm vorbeistrich. Nach der - wie bei einem Tanz schwingenden - Talfahrt erreichten wir Bayrischzell.
Eingebettet zwischen dem Wendelstein (Seilbahn auf den Wendelstein 1883m) und dem gegenüberliegenden Gebirgszug der Rot-Wand liegt dieser malerische Ort an der B307. Jetzt wurde es auch Zeit, etwas zu sich zu nehmen und in der kleinen Ortschaft Geitau legten wir eine Rast ein.
Gestärkt und die Kehle geschmiert stiegen wir auf unsere Bikes und ab ging es in Richtung Schliersee (Biersee, so groß wie da...), auf der Deutschen Alpenstraße nach Gmund, dem nördlichsten Ort am Tegernsee.
Das herrliche Wetter trieb nicht nur viele Biker sondern auch viele Ausflügler auf diese Straße, so daß man teilweise nur im Stop & Go - Verkehr entlang des Tegernsees weiter kam. Endlich das Ende des Sees erreicht, konnten wir wieder am Gashebel drehen und über den Achenpaß wieder in Österreich einreisen.
Nun ging es entlang des tiefblauen Achensees - kurz ein Stop um einige Fotos zu schießen und Po auszulüften - und anschließend talwärts nach Wiesing. Genußvoll lassen wir die wunderbare Bergwelt des Karwendelgebirges an uns vorbeiziehen. Nun wurde auf die B 181 in Richtung
Brixlegg -
Wörgl - nach
Kufstein eingebogen.
Über Ebbs, auf der B 175 nach Bernau. Bei der Kreuzung nach Ebbs erreichten wir die B172, die wir nur ganz kurz befuhren, denn nach ca. 1 km mußten wir nach links abbiegen. Sofort begannen dort die Serpentinen, auf denen wir uns nach oben schraubten.
Bei Aschach wurde es schon wider bayrisch, wir durchquerten das Hochtal und erreichten Hohenaschau. Hier kann man mit der Seilbahn auf die Kampwand fahren. Kurz nach Hohenaschau bogen wir rechts nach Bernau am Chiemsee ab. Auf der 305er bikten wir weiter nach Grassau, von dort in Richtung Traunstein und weiter ging es über Teisendorf nach Freilassing. Von da aus war es dann nur mehr eine kurze Strecke zum Ausgangspunkt nach Seekirchen. Für meine Bikerfreunde war diese Tour vollkommen neu, aber auch die schönste Tour dieses Jahres.